Vor einiger Zeit entstand die Idee, Freunde einzuladen, um beim gemeinsamen Musikhören Gedanken auszutauschen,
Ideen zu sammeln, das Hören besser zu fokussieren. Das erwies sich in der Folge als nicht sehr praktikabel und so
entstand der Musiknewsletter des Musikateliers Rostock/Stralsund, auch für alle meine Schüler, interessierte Kollegen.
Hier veröffentliche ich die Folgen nach und nach, zum Nachlesen etc. – allerdings nur mit
vereinzelten Links.
Anhand der angegebenen Titel kann jeder über die gängigen Streaming – Portale inzwischen die entsprechenden Angebote schnell selber finden. Am besten natürlich man hat die entsprechenden Veröffentlichungen in mindestens CD – Qualität und gute Wiedergabe – Geräte!

Achtung! Diese Texte sind Eigentum der Fa. Musikatelier Rostock/Stralsund, vertreten durch Hr. Martin Stein
und gelten als internes Lehrmaterial in Ergänzung zum Gitarrenunterricht sowie der Theorieunterweisungen.

Ungenehmigte Benutzung, auch auszugsweise Veröffentlichung ist ohne schriftliche Genehmigung des Autors nicht
gestattet. Zitate sind mit Quellenangabe zu versehen.

Wem ist schon mal aufgefallen,
dass die meiste Musik,
über die wir reden, dass wir sie gehört haben,
im Grunde Tanzmusik ist?
Und:
Wer hört wirklich Musik zum Hören?
Bewusst, ohne etwas nebenbei zu tun?
Wie reich man belohnt werden kann,
wenn man sich unabgelenkt auf Musik einlässt,
widerfuhr mir vor einiger Zeit.
Zufällig zappte ich – alleine beim Frühstück – in eine Opern -TV – Aufführung hinein
und war zunächst damit beschäftigt herauszufinden, von wem das Stück wohl sein könnte.
Die hervorragende Performance und auch die Emotionalität der Musik fessselten mich dann so sehr,
dass ich mir das Stück bis zu Ende anhörte (und sah).
Sehr empfehlenswert, besonders sprachen mich der Sänger Kurt Streit und die Kanadierin
Karina Gauvin an.

https://www.youtube.com/watch?v=H-gZs32AJ0s

https://www.amazon.de/Mozart-Clemenza-Tito-Kurt-Streit/dp/B01NCOAKTB

Doch zurück zum Eingang:
Die beiden Sorten, Hör- wie Tanzmusik, gibt es schon lange und immer wieder haben  sie sich gegenseitig beeinflusst.
Tanzmusik, so verschieden diese sich stilistisch, geschmacklich und geografisch gebunden auch darstellen mag,
setzt zwingend Schwerpunktsetzung, erkennbare Betonungsgliederungen voraus.
Wobei der Begriff Tanzmusik eher mit Paar-, Single- oder Gesellschaftstänzen assoziiert zu sein scheint.
Oder hat jetzt jemand an Ballett – Musik gedacht?
Ein Experiment, das gut in diese Überlegungen passt:

Alain Platel – VPRS

In diesem Zusammenhang muss geklärt werden, was den Rhythmus und was das Metrum eines Stückes ausmacht.

Rhythmus ist für mich die auf die ästhetische Wahrnehmung des Menschen gerichtete Organisation von Längen,
Kürzen und Fehlen von Schallereignissen/ Frequenzblöcken in der Musik.

Metrum ist die Organisation des Rhythmus in Betonungen, Akzente.

In der Tanzmusik muß das naturgemäß möglichst gleichbleibend geschehen, damit schlicht und ergreifend
das Ausführen von Tanzschritten möglich wird. Häufige Taktwechsel sind also kontraproduktiv und ein wiederholendes Gefüge
wie z.B. Strophe und Refrain wichtig.
Damit ein Stück tanzbar wird, muß allerdings auch noch das Tempo der Betonungsabfolge unseren menschlichen
Möglichkeiten angepasst sein.

Nehmen wir mal an, Helene Fischers „Atemlos“ 😉 pulsiert um das Tempo 120 – 130 herum, würde das Ganze wahrscheinlich
schon ab Tempo 150 (= 150 Schläge die Minute – auch beats per minute bpm genannt) überhaupt nicht mehr funktionieren.

Um das Gesagte auf andere Art und Weise klar zu machen und zu vertiefen, möchte ich z.B. auf das Buch
„Kontrapunkt“ von Diether de la Motte
(Lizenzausgabe von Bärenreiter im VEB Deutscher Verlag für Musik 1985) S. 189 verweisen.

Da die Meisten ohnehin eher Tanzmusik hören, habe ich als anhängende Musikbeispiele  eher an Folgendes gedacht:

(die Auswahl ist so riesig, dass Beschränkung mir sehr schwer fiel)

1.) Musikstücke, die der Sprachgliederung folgen wie Choräle und Madrigale,
verändert durch Musikinstrumente oder Einflüsse der Tanzmusik oder
integriert in andere Musiksprachen:
z.B. Primo tempore Jan Garbarek The Hilliard Ensemble
besonders ab ca. 4: 20

https://www.youtube.com/watch?v=8lA4MgFJ-GI

‚roun M, Monteverdi meets Jazz, Roberta Mameli e La Venexiana

https://www.youtube.com/watch?v=MbCMPUNu-PU

Purcell „Music for a while“ L’ arpeggiata

https://www.youtube.com/watch?v=Q3ZZ1wTytYk

Voix bulgares- Pilentse pee:

Gentle Giant – „Knots“ (Madrigaleinflüsse im Intro und Gesamtstück)

https://www.youtube.com/watch?v=haGnmTBwXSc

Jethro Tull – „Songs from the wood“ (Madrigaleinflüsse im Intro und im Stückverlauf; sicher auch beeinflußt durch Gentle Giant)

2.) Musikstücke, die so verfeinert wurden, dass deren Herkunft als Tanz erkennbar bleibt, aber trotzdem zum Hören gedacht sind:

Renaissance:

z.B. John Dowland

– Galliard  (ab 3:42 etwa Melancholy galliard)

                                                                  – Pavane (Lachrimae pavane)

Barock:          z.B. Arcangelo Corelli  – Giga (=Gigue)

 

Voix bulgares -Brejivane

Voix bulgares – Ergen deda

 

 

3.) Musikstücke, die Elemente der Hörmusik in tanzbare oder
tanzähnliche Zusammenhänge bringt:

Django Reinhardt + Stephan Grapelli:

https://www.youtube.com/watch?v=_TRjTeQ-sIM

Frank Zappa  – Easy meat ; ab 1:30 etwa:

https://www.youtube.com/watch?v=PvAQLiwydrA

Dave Brubeck:

https://www.youtube.com/watch?v=FQO90Q_E4rg

Deep Purple – Burn ab 4:10 etwa:

https://www.youtube.com/watch?v=LCnebZnysmI

Jethro Tull  – Bourèe nach Bach’s Bourrée BWV 996:

https://www.youtube.com/watch?v=N2RNe2jwHE0

Jaques Loussier:

https://www.youtube.com/watch?v=qIu6JeC_ZB0&list=PLB52194C1691C5E80&index=6

Ekseption:

https://www.youtube.com/watch?v=jKAhxty-5pE

E.L.&P.:  Nutrocker

https://www.youtube.com/watch?v=CiRBQ_hSNt0

Keinesfalls spiegelt die Auswahl auch nur annähernd die
Vielfältigkeit der musikalischen Realität (noch nur meinen Geschmack)
wider, trägt aber hoffentlich dazu bei, mehr darüber
erfahren zu wollen.

Herzliche Grüße

Martin Stein

http://www.musikatelier-rostock.de/