Allgemeines

Helle und ansprechende Räumlichkeiten, hochwertige Technik und ein umfangreiches Musikarchiv sind nur einige der Attribute, die auf das Musikatelier zutreffen. Musikalische Detailtreue und Liebe zur Musik sind bei uns genauso selbstverständlich wie Begeisterung im Umgang mit Technik. Eine kleine Fachbibliothek und Internetzugang ermöglichen die Klärung spontaner Fragen - natürlich nicht nur für Probleme zur Gitarre oder Gitarrist(inn)en. Hinzu kommt die gute und verkehrsgünstige Lage im Bahnhofsviertel Rostocks  bzw. ( am Freitag ) in der Kniepervorstadt von Stralsund. 

Rund um die Gitarre = Musikatelier Rostock
vorheriger Raum
Unterrichtsraum seit 2012: lernen mit Martin Stein

Die abgebildeten Gitarren sind keine Instrumente zum Ausleihen!

Gitarrist Martin Stein ehemals Konservatorium Rostock

Wer zum Instrumentalunterricht kommt, braucht ein eigenes Instrument; eines mit dem man eins wird, das einen zu Hause beflügelt und beim Unterricht zuverlässig zu Diensten ist. 

Auch in diesen Fragen beraten wir Sie gerne, ebenso geben wir Tipps zum Besaiten und zur Pflege der Gitarre.

Biografisches/ Anekdotisches

Lehrerreferenzen: bitte vorhergehende Seite besuchen!                                             

An dieser Stelle soll nun einiges über mich erzählt sein; Biografie vermischt mit Ansichten über Musik, die  Anlass zum Schmunzeln wie auch zur Polarisierung geben möchten. 

Im März 1962 wurde ich in Stralsund geboren, einer ebenso schönen wie überschaubaren Hansestadt. Bevor ich begreifen konnte, was öffentliches Musikleben in solcher Umgebung bedeutet, teilte ich das Schicksal vieler Kinder, die Freude am Musizieren verordnet bekommen hatten: (Block-) Flöte lernen. Zusammen mit dem muffigen Geruch in der Wohnung der lehrenden alten Dame kann ich mich nur an Lirum-Larum-Löffelstiel erinnern... Geblieben ist ein, na sagen wir, etwas gespanntes Verhältnis zu diesem Instrument... 
Nichtsdestotrotz: Höre ich Michala Petri (z.B. im Duo mit Keith Jarrett), begeistert mich dies schon - aber sonst doch lieber (wenn überhaupt Flöte), diese als Travers-version und dann in Rockmusik (Ian Anderson) oder Jazz/Flamenco (Jorge Pardo). 

Nächste Station neben behüteter Kindheit und Schulzeit war dann die Konzertgitarre, die meinem damaligen Kumpel und mir ein Profimusiker beibringen sollte. Der sehr nette, überaus nervöse Herr mittleren Alters war aber eigentlich Kontrabassist... Wer B-Dur-Barré in der ersten Lage kennt, weiß, dass dies in den ersten Stunden des Lernens nicht gerade Lust auf mehr macht. Dann kam noch F-Dur Barré dazu, was die 3 gelernten Weihnachtslieder auch nicht aufwiegen konnten.
Nach 1 1/2 Jahren gab ich (ca.12 jährig) auf. Irgendwann schnappte ich mir aber die Gitarre meines Bruders, zog Stahlsaiten auf und fing an, eigene Lieder zu machen, Rockmusik nachzuspielen. Mein nächster Lehrer wollte Tonleitern und Singebewegung der DDR, was mich wieder nicht recht in Enthusiamus ausbrechen ließ. Allerdings merkte ich durch den damaligen Freund meines Bruders, Peter "Dodge" Schmidt - der noch heute die Musik von damals spielt - , dass es für meine Vorstellung vom Musikmachen besser wäre, in einer Band zu spielen.
Inzwischen mitten in der Pubertät hörte ich endlos Musik zwischen Klassik ("echte" Sinfonie- und Orgelkonzerte  als auch Tonband- bzw. Plattenaufnahmen), Rock, Jazz  und - heute traue ich mich, auch das zu sagen - :
Ja, ich hörte sogar Schlager (Marianne Rosenberg, Udo Jürgens, Lynn Anderson). Natürlich versuchte ich irgendwie all das Zeug nachzuspielen, um so langsam fit auf den sechs Saiten zu werden. 
Erste musikalische Erfolge zegten sich im Alter von 16 bis 18 Jahren mit der Schülerband "Alpha": neben vielen Auftritten - z.B . vor ca. 1000 Leuten auf der Freilichtbühne Stralsund - erhielt die Band die zweithöchste Amateureinstufung entsprechend den in der damaligen DDR geltenden Kriterien.  Abitur 1980. Während der Pflichtzeit in der Armee (oh, wie überflüssig!) Komposition vieler Songs. 1982 Beginn eines Medizinstudiums in Rostock, währenddessen Gründung des Gitarrenduos "Cereus".
1985 freiwillige Exmatrikulation nach dem Physikum, um - begründet durch die Erfolge mit dem obengenannten Duo - Berufsmusiker zu werden. 1986 nach entsprechenden Prüfungen einer der jüngsten freischaffenden Musiker des damaligen Bezirkes Rostock (höchste Einstufungskategorie). Konzerte mit "Cereus" in der DDR (z.B. eine eigene Veranstaltungsreihe im Intimen Theater des Volkstheaters Rostock), in Bulgarien (Varna), Lettland (Riga), Frankreich (Paris), BRD (Dannenberg, West-Berlin), Rundfunk-und Fernsehaufnahmen, Zusage vom staatlichen Schallplattenproduzent Amiga, Aussicht auf Veröffentlichung eines Etüdenheftes beim Verlag Neue Musik Berlin.  (Mit  Zusammenbruch des
Sozialismus entfielen die beiden letztgenannten Punkte allerdings.) 

Schönstes Konzerterlebnis bzw. hohe Anerkennung? Für mich mit Sicherheit die lobenden Worte einer ehemaligen Cembalo-Lehrerin des berühmten Conservatoire de Paris nach dem Konzert in Paris im damaligen Kulturzentrum der DDR (1989).
Lehrtätigkeit seit 1986. (siehe Lehrerreferenzen) 
Nach dem Ende der DDR Konzerte in vielen deutschen Städten. Alles stets nur gut, ja bestens gelaufen? - Nein, keineswegs; schon immer dem Perfektionismus zugeneigt, glaubte ich, Profi-E-Gitarrist, Komponist und Student der klassischen Gitarre zur gleichen Zeit sein zu können. ("Neben" Gitarrenlehrertätigkeit, Verpflichtungen als Familienvater etc. ) Das war einfach nicht zu schaffen, jedenfalls nicht von mir. So blieb ein Hochschulstudium in klassischer Musik - in welcher Form auch immer- ein unerfüllter  Traum. Nichtsdestotrotz ist es mir gelungen, über verschiedene Wege vielfältigste Ausbildung zu erhalten, sei es privater Kompositionsunterricht beim viel zu früh verstorbenen Prof. Burkhard Meier aus Greifswald, der Theorieunterricht an der Musikhochschule, Konzert-Gitarrenunterricht bei OL Frau S. Walla und später bei Dozent a.D. OL F. Steltner; um nur einiges zu nennen. Es gab eine Weiterführung des Gitarrenduos "Cereus" von 1990 bis ca.1995 in neuer Besetzung (mit Klaus Hammer, jetzt Gitarrenlehrer am Konservatorium Rostock - über ihn wird noch zu berichten sein, wenn auch nichts Angenehmes), daneben Arbeit für Verlage (Voggenreiter, Bonn), für Musikfestivals (Musiksommer M/V), Arbeit als Rezensent  über klassische Musik für überregionale Zeitungen.
Parallel fanden Konzerte u.a. mit der Rostocker Jazzband "Inflagranti" (in Norddeutschland) und dem Kinderprogramm "Ätsch" (Deutschland und Polen,z.B. Slupsk) guten Anklang beim Publikum.

Vor dem familiär bedingten Umzug in eine Kleinstadt  absolvierte ich das Grundstudium als Magister Artium in Musikwissenschaft, Literaturwissenschaft und Soziologie, inclusive des Latinums. Besonders wegen des  Wohnsitzes nun in Güstrow fehlte dann leider die Zeit es zu vollenden. Schade. Natürlich ging es beruflich auch von dort aus weiter; das Kinderprogramm blieb bestehen und mit dem Pianisten Alexander Girod reifte der Plan, eine Jazzformation zu gründen:
"CENTO", zunächst ein Trio, spielte anfangs mit dem Gitarristen Giovanni Riveros, der dann durch den Klarinettenspieler und Saxophonisten Walter Machatsch  

ausgewechselt wurde.
Weiter ging es mit dem Bassisten Lutz Gertler nach dem unser Klarinettist aus beruflichen Gründen den Wohnsitz wechselte. Leider, leider ging Lutz nach Freiburg. Anschließend führten wir die Trio-Variante parallel mit einem meiner Schüler weiter. Klaus Macpolowski spielte dann auch in der CENTO-Quartett Besetzung mit, die neben mir mit Sam Schlatow (Gesang, Moog, Bass - jetzt mit Umami unterwegs) und Frank Richter (Drums und Percussion) komplettiert wurde. Die Musik ging mehr in Richtung Latin, aber auch jazzige Coverversionen von Rock- und Popmusik bahnten sich in zunehmenden Maße den Weg zu größerem Publikum. Als Frank - der Drummer - begann in Rostock ein Studio aufzumachen, zuerst noch in der Grubenstrasse, war es logisch, dass CENTO beginnen würde, eine CD aufzunehmen. 
Als Klaus ( Macpolowski) dann zum Studium nach Kassel ging und Sam sich zunehmend auf elektronische Musik (Umami) konzentrieren wollte, blieben nur noch Frank und ich zum Einspielen übrig. Zumal sich herausstellte, dass eine gute Live - Präsenz nicht automatisch eine adäquate Studioleistung bedeutet. So versuchte ich mit befreundeten Musikern verschiedenster Colour die Kompositionen und Cover-Versionen einzuspielen. Das begeisterte mich so, dass ich nach Franks Weggang das Studio in der John Brinckmanstraße übernahm und die Idee von Ausbildung ( Gitarrenunterricht/Theorie etc.) und Möglichkeit zur Aufnahme (Tonstudio) in die Tat umsetzte. Viele der inzwischen produzierten Titel sind im Internet auf diversen Plattformen zu hören und erfreuen sich anscheinend großer Beliebtheit, zumindest machen dies die Abspielstatistiken glauben. Leider ist es mir noch nicht gelungen, daraus größere kommerzielle Erfolge zu erzielen. Wahrscheinlich war es ein Fehler die Musik in voller Länge zu präsentieren und nicht vor Ende auszublenden mit dem Hinweis: "Den vollständigen Song erhalten Sie beim download gegen soundsoviel Euro." Beinahe merkwürdig ist es, dass meine Produktionen überall wahrgenommen werden (kriege e-mails aus allen Teilen der Welt und auch aus Deutschland zu meiner Musik), nur in Rostock und Umgebung anscheinend nicht. Inzwischen (2014) hat sich aber auch das etwas geändert. Oben erwähnte ich als einen meiner Mentoren den Greifswalder Prof. Burkhard Meier, der mir Kompositionsunterricht erteilte. Es wäre zu wünschen, dass sein Musik öfter gespielt würde, z.B. seine Prokofjew - Variationen hatten mich seinerzeit stark beeindruckt. Er war ein grandioser Musiker und ein toller Mensch, der viel zu früh aus dem Leben treten musste. Diese Paarung von Menschlichkeit und Könnertum ist nicht so oft zu finden. 
Nehmen wir meinen ehemaligen Mitstreiter Klaus Hammer, der sich zunächst gut bei Cereus einbringen wollte, so lange es ein für ihn vorteilbringendes Unterfangen darstellte, womit nicht nur pekuniäre Dinge gemeint sind. ...(Fortsetzung folgt)

 

 

 

 

Studioequipment

  1. Mac Pro 2013 3,7 Ghz Quad-Core Intel Xeon, 16GB 1867 MHz DDR3 mit Dual-Monitorsystem
    Logic Pro X
    Ableton Live Suite
    Melodyne
    Finale
    div. Sound-Libraries (z.B. East-West, Synthogy Ivory II Pianos, Chris Hein - Horns complete, Accordions, QL-Goliath, Trilian-Library), div. Plug ins (T.C. Electronics,Cl-1B, UAD 2...)
    Mikrofone: Schoeps CMC Serie, AKG C-414 B,Neumann TLM 127, Shure SM 81/SM 57/SM58,   Sennheiser MD 421, Oktava MK012 matched pair
    Wandler: Prism sound Orpheus, Apogee Duet
    Preamps/ Compressoren: UA LA-610 Mk II, SSL Alpha VHD Pre, Manley Voxbox, UA 2-1176, Boss GT Pro
    Amps: AER acousticube, AER Basic Performer , KS Sat MkII, Roland JC 120, Koch Studiotone
    Abhörmonitore/Kopfhörer: Dynaudio BM 12A und BM 14 S, Burmester Rondo 995+051+052, Altec Lansing/Sennheiser HD 25
    Gitarren: Schneider, Hoyer,Parker,Cort,Frameworks, Schecter, Harley Benton
    Synthesizer: Virus TI 2,Moog Slim phatty
    Multieffektgeräte: Boss GT Pro, Eventide H 8000 FW
    Mischpult: Toft ATB 16
    Fatar VK 188: 88-Tasten-Klaviatur
    Samson S-Phone Kopfhörerverstärker
    Furman PL Plus CE
    Live-Mixer: Spiritfolio u.v.a.
  2. Mein Kollege verfügt über:
    Pentium 4 PC (Intel Core 2 Quad Extreme 4 X 3300 Mhz)
    Dual Monitor System
    Motu PCI-424x Interface
    Motu 2408 Mk3 Prof. Recording Interface
    Steinberg Cubase SX
    Emagic Unitor 8 MK 2
    Emagic AMT 8
    Alesis Midiverb
    Roland SDE-2000
    Roland SRV-330
    BBE Sonic Maximizer 822 A
    Alesis Compressor 3630
    DBX Compressor/Gate 266 XL
    SPL Vitalizer SX2
    t.c.electronic Finalizer Express
    Roland Boss GT-8
    Headphones Quadamp
    div. VST Plug ins
    Fluxcompensator
    Roland MV 30
    Roland U 220 + Div. Cards
    Roland JV-2080
    Korg Z3
    Korg X5
    EMU Orbit V2
    Quasimidi Quasar
    Steinberg Halion
    Div. VST Instruments
    Korg Z3 Gitarrensynthesizer
    D&R Dayner 32/64 Ch. Split/Inline Analog Mischpult
    Yamaha 01V Digital Mischpult
    Line Mixer 16 Ch. Analog Mischpult
    KS Digital Coax C-88 L+R
    Genelec 1029 A
    2X Neutrik NYS-SPP-L1
    Studio Phones ATH M40/fs
    AIWA DAT Recorder
    TEAC CD Player
    Sony MD Player
    JVC Tape Deck KD-X

     

Studiomonitor

Gitarre lernen und richtig zupfen

Blicke zurück auf Musikfeste und Musizieren in Mecklenburg

1.) Beginn bis zur Reformation

Es ist schon problematisch genau zu erklären, was Musik denn nun sei,
ebenso schwierig gestaltet es sich - und das fast überall - die Anfänge des Musizierens in belegbare historische Zusammenhänge zu bringen,
sprich geschichtlich verbürgt zu  erzählen.
Auch über die Frühgeschichte in Mecklenburg lässt sich Detailliertes nur schwer in Erfahrung bringen. Auf heimatlichem Boden belegt der Fund alter Jagdhörner zumindest den Gebrauch von Blasinstrumenten vor Beginn unserer Zeitrechnung. Orgelspiel lässt sich schon 1260 in Ratzeburg nachweisen. Was außerhalb der Kirchenmusik passierte lässt sich jedoch eher spärlich aufspüren. Wohl auch in den nicht zur Hanse gehörenden größeren Siedlungen und in den Hansestädten gab es das sogenannte fahrende Volk, wie Spielleute und Sänger.  Eintragungen z.B. ins Niederstadtbuch der freien Reichsstadt Lübeck aus dem 16. Jhd., dass jemand ehrlicher Geburt und nicht Kind eines Spielmanns sei, zeigen, dass die clerici vagi bzw. Goliarden genannten Mitbürger kein hohes Ansehen unter den fest siedelnden Landsleuten genossen. 
Die ersten Stadtmusikanten und Turmbläser kann man nachweisen als 1348 Mecklenburg vom Bistum zum Herzogtum erhoben wird. Um 1300 hält sich der bekannte Meistersinger "Frauenlob", der ähnliche Berühmtheit erlangte wie Walther von der Vogelweide, in unseren Breiten auf. Dass  in der Jenaer Handschrift neben Frauenlob auch noch ein weiterer Vertreter unser nordischen Gefilde auftaucht, nämlich Wizlaw, der vermutlich mit dem letzten slawischen Fürsten von Rügen identisch ist, sei hier am Rande erwähnt. 
Ein bedeutendes Ereignis  für das Musikleben stellt zweifelsohne die Gründung der Rostocker Universität 1419 (drittälteste Deutschlands) dar. Die Alma mater ermöglichte schließlich musikwissenschaftliches Arbeiten ebenso wie akademisches Musizieren. 1569 gab ein Verein zu diesem Zwecke seine Tätigkeit wieder auf… Ein bedeutendes Zeugnis im Umkreis der Universität stellt das Rostocker Liederbuch dar, das in großem Umfange wohl im späten 15. Jhd. geschrieben und später erweitert wurde. 


2.) Reformation und Ende der Hansezeit


Bis zu den Folgen der durch Martin Luther ausgelösten Entwicklung zeigte sich die Musikkultur in Mecklenburg  analog zu anderen Fürsten- bzw. Herzogtümern eher unscheinbar, jedoch in den folgenden Zeiten widerfuhr unseren Ahnen ein völliger Tiefpunkt, der die musische Entwicklung fast zum Erliegen brachte. Relativ schnell hielt die Reformation von 1517 in Mecklenburg Einzug. So gab Joachim Slüter kurz nach Veröffentlichung des ältesten bekannten niederdeutschen Gesangsbuches (1525) das sogenannte "Doppelte Gesangsbuch" heraus, das auch die Lieder des Dr. Martin Luthers enthielt. 

Nicht unerwähnt sollen in diesem Zusammenhang zwei Namen bleiben:  der mecklenburgische Herzog Heinrich 5., der mit Dr. Martin Luther selbst in lebhaftem Briefwechsel stand, und der pommersche Reformator Johannes Bugenhagen. Männer, die durch ihr Engagement für die neue Auffassung von Theologie auch für  die kirchenmusikalische Neubelebung wichtig waren. Aber nicht nur neue Choräle wurden gesungen.

Die mitunter anzutreffende, in letzter Konsequenz aber nicht umgesetzte Meinung mancher Reformatoren, die Orgel aus dem Gottesdienst zu eliminieren,
führte aber dazu, dass die Organisten auch außerhalb der Liturgie ihr Publikum durch Konzerte zu gewinnen suchten.

Beispielsweise sind mit den Abendmusiken von Dietrich Buxtehude entscheidende Schritte in Richtung öffentlicher Konzertmusik gegangen worden. Auch bei Johann Vierdanck (einem Schüler von Heinrich Schütz), der an der Stralsunder Marienkirche wirkte, darf so etwas vermutet werden. Unterstützt wurden die Kantoren und oft recht gut bezahlten Organisten (siehe Vierdanck in Stralsund) bei Konzerten durch fest angestellte Ratsmusikanten und die sogenannten Türmer, so dass die Grenze zwischen weltlichem und geistlichem Musizieren nicht so scharf ausfiel wie man vermuten könnte. Während des dreißigjährigen Krieges durchlitt Mecklenburg schlimme Zeiten: von schätzungsweisen 300000 Einwohnern sollen nur 50000 übrig geblieben sein; im Zuge der Auseinandersetzungen war das Land für kurze Zeit sogar komplett das Lehen  Wallensteins. Wirtschaftlich und kulturell bedeutete der Krieg mit seinen Auswirkungen einen immensen Abschwung. Nur Rostock konnte paradoxerweise im sakralen Raum auf eine kurze Blütezeit verweisen - der über Deutschland hinaus geschätzte Daniel Friderici wirkte an der Marienkirche und als Kapellmeister aller Kirchen der Warnowstadt bis er an 1638 an der Pest starb. Schließlich kam auch noch ein Stadtbrand dazu, so dass es dann auch in der Hansestadt völlig bergab ging. Um 1680 ist über die Rostocker Türmer zu erfahren, soweit sie ihrer Dienstausführung überhaupt nachkämen, würden sie derart stümpern, dass es schädlich sei, ihnen zu zuhören. An der Marienkirche zu Rostock wirkte damals der Organist Qualmaus, der 1684 seiner Pflicht angeblich heimlich entwichen sei. Nach dem letzten Hansetag 1669 verloren die angeschlossenen Städte schnell an ökonomischer und kultureller Bedeutung. So gelang es Rostock erst 1751 mit der Eröffnung des "Comödienhauses" und der Durchführung "Winterkonzerte" sechs Jahre später wieder musisch attraktiver zu werden. Greifswald, ebenfalls Hanse- und Universitätsstadt, soll erst durch das Erblühen des Chorgesanges am Anfang des 19. Jahrhunderts im Rahmen der Georg-Friedrich-Händel-Verehrung eine größere Rolle gespielt haben. Angesichts der beschriebenen erheblichen Dellen in der kulturellen Entwicklung in Mecklenburg erstaunt es dann umso mehr, 

dass ab ungefähr 1830 das damalige Hoftheaterorchester Schwerin (später Mecklenburgische Staatskapelle) nennenswerte überregionale Ausstrahlung gewann. Wie wenig aber unsere überlieferte Geschichte tatsächlich chronologisch kontinuierlich verläuft, möge das Beispiel des Arztes und Alchemisten Michael Maier, der u.a. an der Rostocker Universität studierte, verdeutlichen.

Er schrieb Fugen, d.h. er war musikalisch gebildet, war auch Philosoph und Schriftsteller und hatte eine verblüffende internationale Ausbildungs- und Reiseerfahrung: neben Padua, Basel, Prag sei auch ein Aufenthalt in England in diesem Rahmen erwähnt. Geboren wurde er in Kiel, als Sterbeort  gilt Magdeburg. Offensichtlich verstand er es (in  56 Lebensjahren) den Seuchen seiner Zeit ebenso aus dem Weg zu gehen wie den zahlreichen religiösen bzw. kriegerischen Auseinandersetzungen.


3.)  Hofmusik und Hansezeit


Neben den in den vorherigen Folgen herausgestellten Hansestädten bedürfen
Güstrow, Neustrelitz, Schwerin und Ludwigslust
ebenfalls einer besonderen Erwähnung hinsichtlich ihrer Bedeutung für die vormalige Mecklenburger Musiklandschaft.
Als Beispiel für musikalische Verbindungen zwischen den Städten der Hanse und z.B. Güstrow  möge die Familie Ebel Ende des 16. Jahrhunderts stehen:
Vater David Ebel war Organist in Lübeck und hielt sich zeitweise am Hofe des Herzogs Ulrich von Mecklenburg in Güstrow auf,
der Sohn Hermann Ebel spielte Orgel erst in Stralsund, später in Lübeck, arbeitete aber auch als Gutachter z.B. in Wismar. 

Die eingangs benannten Städte zeigen als ehemalige Residenzen der Herzöge eine in diesem Zusammenhang interessierende Gemeinsamkeit:
mehr oder weniger kontinuierlich waren sie künstlerische Heimstatt recht respektabler Hofkapellen. 

Da Geschichte oft parallel passiert, soll es nicht verwundern, dass jetzt nochmals die Zeit um 1550 tangiert wird. 

So reichen die Anfänge der Schweriner Hofkapelle bis ins 16. Jahrhundert zurück, während die in Güstrow von der als sehr musikalisch geltenden Herzogin Elisabeth (vormals von Hessen-Kassel) gegründete schon 1695 aufhörte zu existieren. Allerdings bot die Güstrower Residenz in dieser Zeit hervorragenden französischen,englischen und deutschen Musikern eine künstlerische Heimstatt.

Z.B. kam ( der in der vorigen Folge als Stralsunder Organist erwähnte) Johann Vierdanck als Violinist am Güstrower Hof mit der Musik des Engländers William Brade in Kontakt, vielleicht dort sogar mit diesem selbst.

( Wie verknüpft das Musikleben international um 1600 schon war, zeigt Brade´s Aufenthalt am Hofe Christian des I. in Kopenhagen zu der Zeit, zu der dort der berühmte Lautenist John Dowland seinen Dienst versah. Wenig später stoßen wir hier auch auf den "Vater der deutschen Musik" - Heinrich Schütz, welcher übrigens die Vertonung einiger Lieder einer Komödie des damals geschätzten Rostocker Dichters Johann Laufenberg vorgenommen hat. )

Als Folge dynastischer Familienstreitigkeiten und Ergebnis des Hamburger Vergleichs entstanden 1701 die Herzogtümer Mecklenburg/Schwerin und Mecklenburg/Strelitz. Nachdem Adolf-Friedrich der III. in Neustrelitz eine Residenz gründete, lässt sich wieder durch Initiative einer Frau (Herzogin Dorothea-Sophia) 1736 die Schaffung einer Hofkapelle verzeichnen. 40 Jahre später kam das Hoftheater dazu. 1908 wurde die Kapelle aufgelöst. Dabei muss ihre Ausstrahlung beachtlich gewesen sein, zog es doch berühmte Musiker wie Carl Philipp Emanuel Bach zu Gastspielen dorthin.

Die Herzogin Dorothea-Sophia, eine der kunstsinnigen Damen in Mecklenburg wie beispielsweise auch die Komponistin Sophie-Elisabeth 

(1613-1676; Ausbildung u.a. bei Heinrich Schütz, der sie während seiner Rückreise von Kopenhagen in Braunschweig kennenlernte), 

kümmerte sich nicht nur um das Aufblühen der gesamten Hofkapelle in Neustrelitz sondern auch um die Förderung besonders begabter Musiker. Hier sei Johann Wilhelm Hertel, später in der Schweriner Hofkapelle tätig, hervorgehoben, der manch materiellen Anreiz erhalten haben soll. Sein Vater Johann Christian Hertel wirkte ebenfalls in Neustrelitz.

Eingangs wurde auch Ludwigslust genannt: hier wirkte ab 1767 die Hofkapelle aus Schwerin, da Herzog Friedrich der Fromme die Regierungsgeschäfte vom dortigen Jagdschloss aus lenken wollte.       

     

4.)  Hofkapelle zu Schwerin                                                                             


Die nächsten Folgen werden erstaunlicherweise zeigen, dass im 19. Jahrhundert das arme Land Mecklenburg (heute würde so etwas wohl strukturschwache Gegend heißen)  als Ausrichter einer Reihe großartiger Musikfeste hervorstach.

Zuvor aber ein Blick auf die Geschichte der Schweriner Hofkapelle, die den letzten Satz der vorigen Folge beschloss. Die Anfänge reichen bis 1563 zurück, als der  Herzog von Mecklenburg-Schwerin die Einsetzung von David Köler aus Zwickau als Hofkapellmeister verkünden ließ. Nun war es aber beileibe nicht so, dass damals eine kontinuierliche Aufbauarbeit stattgefunden hätte, oft genug lag die Musikpflege gänzlich darnieder. Bis zum Tode Johann Albrecht des I. (1576) gab es durch die Anstellung komponierender Kapellmeister zur Leitung der Chorsänger, Organisten, Pfeifer u.a.m. eine gewisse Blütezeit, an die im Grunde erst wieder ab 1695 mit der Aufnahme  französischer und römischer "Violingambisten" in den Kreis höfischer Musiker angeknüpft wurde. Der Schweriner Herzog Friedrich-Wilhelm, bekannt mit Größen wie Georg Friedrich Händel und Johann Mattheson, konnte 1701 auf eine echte Hofkapelle -bestehend aus lauter Instrumentalisten also - verweisen. Nach etlichen Tiefpunkten gab es dann wieder Erfolge zu verbuchen: um 1750 gehörte die Kapelle mit 25  Mitgliedern zu den kleinen bis mittelgroßen  Ensembles in Deutschland. Unter Führung des ehemaligen Neustrelitzers Johann Wilhelm Hertel blühte ein reichhaltiges Konzertleben auf. Z.B. schrieb  Georg Philipp Telemann  im Auftrag des Herzogs  5 Konzerte für die Schweriner Musiker. Ab 1767 wirkte die Hofkapelle in Ludwigslust und avancierte zu einer der besten Deutschlands.  Herausragender Kapellmeister jener Tage war der berühmte Komponist Antonio Rosetti, dessen Werk in den letzten beiden Dekaden wieder entdeckt und z.T. auf CD veröffentlicht wurde. Leider sank die Leistungsfähigkeit mit der Rückverlegung Anfang des 19. Jahrhunderts abermals etwas - erst unter Alois Schmitt, eine Persönlichkeit, auf die hinsichtlich der Musikfeste zu rekurrieren sein wird, erarbeitete sich Schwerin nachhaltig den Ruf vor den Weltkriegen eine der geschätzten Bühnen Deutschlands beherbergt zu haben. Auch der wohl erfolgreichste Mecklenburger (Opern-) Komponist Friedrich von Flotow soll hier  erwähnt sein, er war 1856 Intendant des Schweriner Hoftheaters.           

  

5.) Seitenblicke/Zeitsprünge                                                               

  

Unsere letzte Folge schloss mit der Bemerkung, dass Schwerin sich Ende des 19.Jahrhunderts deutschlandweit einen wichtigen Platz im Kulturleben erspielt hatte. Doch auch insgesamt bot Mecklenburg zu der Zeit eine breitgestreute Theaterlandschaft wie etwa die Titulierung "Bayreuth des Nordens" für Rostock erkennen ließ. Allerdings sei nicht verschwiegen, dass sich mit dieser Metapher für gut frequentierte Aufführungen von Wagner-Opern auch Schwerin und das anhaltische Dessau schmückten. (Völlig "Wagnerfrei" taucht dieser Begriff neuerdings  sogar in Verbindung mit dem Metal-Open-Air-Festival in Wacken auf,…- obwohl, das wär´ doch mal was…)

Apropos Richard Wagner - z.B. ging dessen Nichte  ihren Verpflichtungen im Schweriner Schauspielensemble nach.                 Karl Hill gefiel dem berühmten Komponisten in der Schweriner Aufführung des "Fliegenden Holländers" so sehr, dass er ihn selbigen Abends als ersten Alberich-Sänger  von Mecklenburg nach Bayreuth verpflichtete.


Dieses passierte etwa zu der Zeit als der gebürtige Mecklenburger Friedrich von Flotow seine Stellung als Hoftheaterintendant in Schwerin wieder zugunsten seines Aufenthaltes in Paris aufgegeben hatte. Auch wenn Friedrich von Flotow nicht als bahnbrechender Komponist gesehen wird, seine Musik genoss zu Lebzeiten gute und internationale Resonanz. Dass Mecklenburg ihn nicht vergessen hat, zeigt die Namensgebung der Kreismusikschule in Bad Doberan…         

Wo wir schon bei Plaudereien über bekannte Persönlichkeiten auf musikalischem Gebiet im 19. Jahrhundert sind:                               Friedrich Chrysander, einst Student der Rostocker Universität, avancierte zu einem Musikwissenschaftler internationaler Anerkennung. Sein Schwerpunkt galt dem Werk und Leben Georg Friedrich Händels, ein Denkmal findet man in seiner Geburtsstadt Lübtheen.  

Während der Trauerfeier für Wolfgang Amadeus Mozart (um noch einen der ganz großen der Musikgeschichte ins Gespräch zu bringen) in Prag wurde ein Requiem von Antonio Rosetti aufgeführt, der damals für den Mecklenburgischen Herzog tätig und - wie schon erwähnt - zu seiner Zeit in Europa als Komponist sehr geschätzt war. Ob es nun eine besondere Verbeugung vor seinem Werk war oder ein bedeutungsvolles Abschiednehmen, jedenfalls kamen zwei seiner Werke im letzten Konzert der Schweriner Philharmonie (nicht mit der Hof- und später Staatskapelle zu verwechseln) im Juni 1992 zu Gehör.

Womit auch kurz das vorige Jahrhundert tangiert wäre und somit Gelegenheit  den Komponisten Rudolf Wagner-Regeny, der wie Flotow hauptsächlich als Opernkomponist erinnert wird, zu nennen, nachdem das Konservatorium in Rostock benannt wurde. Abschließend möchte ich im bunten Reigen der Personen, die in Musiklexika Eingang gefunden haben, auf Joachim Burmeister, der auch an der Universität in Rostock ausgebildet wurde, verweisen; seine musiktheoretischen Schriften um 1600 zählten zu den ersten ihrer Art (musikalische Figurenlehre).

6.) Musikfeste, Musikfestspiele, Musikfestivals u.a.mehr auf dem Gebiet des
    heutigen Mecklenburg/Vorpommern


Dem Leser wird es nicht entgangen sein, dass die Volksmusik, die Militärmusik und die Tanz- und Unterhaltungsmusik hier nicht berührt werden, da es im Folgenden mehr um Ereignisse gehen soll, die Weltliches und Kirchliches miteinander verknüpften und echte Höhepunkte der damaligen musischen Landschaft Mecklenburgs darstellten - die Musikfeste.

Erstaunlicherweise hat es trotz der wirtschaftlichen Schwäche der Gegend eine für Deutschland seltene Fülle davon gegeben.

Und so lahm, wie man es den Mecklenburgern gerne nachsagt, waren diese in der Beziehung jedenfalls nicht: Immerhin schon 1816 organisierte der Wismeraner Bürgermeister und ein eigens dafür gegründeter Musikverein den Anfang der Musikfeste in Mecklenburg: Joseph Haydns "Schöpfung" kam in Wismar zur Aufführung - mit Unterstützung von Musikern aus Rostock, Schwerin und Lübeck. Schon 1816 deswegen, da erst sechs Jahre zuvor das erste deutsche Musikfest überhaupt in Frankenhausen stattgefunden hatte. Die Norddeutschen ließen gleich neun Stück innerhalb von sieben Jahren folgen, wobei sich der Umfang dieser Aktivitäten ab 1818 auf die Darbietung zweier chorsinfonischer Werke (zumeist die oben erwähnte "Schöpfung" und eines Händelschen Oratoriums) erweiterte.

Die Resonanz muss eine große gewesen sein, wie die Rostocker Stadtchronik anlässlich des Musikfestes zur Enthüllung der Blücher-Statue (1819) verrät: "Eine beachtliche Menge Menschen strömte der Jacobi-Kirche zu. Man sagt, dass 3000 Menschen in derselben versammelt gewesen sein sollen… Die Wirkung der … Chöre und die … Präzision war außerordentlich." Die "außerordentliche Wirkung" schien auch bei den Musikfesten in Schwerin einer besonderen Erwähnung wert. Andere Städte, die der Musik gewidmete Festspiele ausrichteten, waren z.B. Bremen, Hamburg, Lübeck und (wieder auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg/Vorpommerns) Ludwigslust.


7. ) Vorgänger der Musikfestspiele in Mecklenburg/Vorpommern


Bei feinfühliger Beobachtung der erwähnten Anfänge einer keimenden Musikfestidee fällt eine lokale Besonderheit auf - bis auf Schwerin und Ludwigslust gehörten alle beteiligten Städte vormals zum Hansebund.

Man könnte vermuten, dass hanseatischer Geist vom Wiedererstarken der Seestädte künden wollte, ohne die ab 1835 in Ludwigslust ansässige Hofkapelle und den Herzog aussparen zu wollen. Politische Zugeständnisse oder wollten die herzoglichen Residenzen nicht abseits stehen? Schließlich waren nur im Juni 1817 Schwerin und Ludwigslust beteiligt….

Nach einer längeren Pause gründete sich erst 1839 wieder ein Musikverein in Lübeck, der im Verbund mit Schwerin, Wismar und Rostock vier Norddeutsche Musikfeste im Zweijahresabstand zuwege brachte. Diese Musikfestspiele konnten durchaus das Ausmaß einer Woche annehmen, zumal auch gesellige Aspekte berücksichtigt wurden. Berichte von 1840 aus Schwerin erzählen von festlicher Illumination des Schlossgartens sowie von "Feuerwerk auf dem großen See am alten Garten". Es gab umfangreiches Musizieren sowohl geistlicher als auch weltlicher Musik mit einem erstaunlichem Anteil heute weitgehend vergessener "zeitgenössischer" Komponisten. 

Die Norddeutschen Musikfeste zeitigten eine enorme Ausstrahlung: nicht nur Mitwirkende aus Leipzig und Wien als auch von Kopenhagen bis Frankfurt a.M. kamen z.B. 1839 nach Lübeck bzw. aus den letztgenannten Städten 1843 nach Rostock, um Werke von Händel, Mozart, Haydn oder Meyerbeer zu spielen und zu singen - nein, selbst große Meister der damaligen Zeit scheuten den Weg in das jetzige Mecklenburg/Vorpommern nicht:

Felix Mendelssohn Bartholdy reiste im Juli 1840in Schwerin an, um die Aufführung seines Oratoriums "Paulus" im Dom zu leiten.

Auch während der Zeit der Norddeutschen Musikfeste gelangten oft zumindest Teile (z.B. Arien) aus der Schöpfung von Joseph Haydn zu Gehör, jener "Kassenschlager" der schon in der vorherigen Folge herausgestellt wurde.


8.) Geld und Musik(feste)


Versucht man nach den Mecklenburger Musikfesten zu fahnden, wird man im Internet kaum fündig.  Auch Nachschlagewerke verraten wenig  über die Glanzpunkte der Mecklenburgischen Musikgeschichte ab 1860 - dabei waren die 15 (!) Mecklenburger Musikfeste ein lange vorbereitetes Ereignis, dessen Ausstrahlung Interpreten aus Wien, Hannover, Stettin etc.  für zumeist eine Woche zusammenführte.

Der Wunsch, dies möglichst lange fortzusetzen, endete 1922 natürlich nicht abrupt. Gerne hätten die Chöre und führenden Musiker des Landes auch ein sechzehntes Treffen (und vermutlich noch viele weitere) folgen lassen, aber im Rostocker Anzeiger von 1931 ist zu lesen, dass "… die wirtschaftlichen Verhältnisse … solche Feste …

nicht mehr zu lassen, denn es ist niemand da, der für den sicheren Unterschuss aufkommt." 

Wem war es denn überhaupt zu verdanken, dass in Mecklenburg "solche Feste" veranstaltet werden konnten?

Wenn auch die Prunksucht deutscher Fürstentümer häufig zu Recht kritisiert wurde, haben die mitunter dahinter steckenden Repräsentationsgedanken zumindest in diesem Falle etwas Gutes bewirkt - ohne die Unterstützung durch die Großherzogliche Familie zu Schwerin wären derartige Veranstaltungen schwerlich möglich gewesen. Nicht zuletzt gab die Anwesenheit des Herzogs in der jeweiligen Gastgeberstadt der ganzen Angelegenheit so etwas wie Staatscharakter. Dies wurde durch die Vergabe von Geschenken und Orden an verdiente Musiker unterstrichen. Auch an den Abschlussbällen nahm der Herzog teil. 

Geht es um Urheber und Initiatoren der Musikfeste, so muss hier abermals Georg Alois Schmitt (1827-1902) genannt werden. Ist er uns als der Mann in Erinnerung, der Entscheidendes für den Aufschwung der Schweriner Hofkapelle getan hat, so war er auch " die Seele von neun Mecklenburgischen Musikfesten und hat die Freude gehabt zu sehen,

dass die von ihm ausgestreute Saat kräftig Wurzeln geschlagen hatte." 

(Rostocker Anzeiger, 1931) 

Georg Alois Schmitt war nicht nur ein offensichtlich begnadeter Organisator sondern ein berühmter Pianist ebenso wie ein geschätzter Bearbeiter von Werken von Wolfgang Amadeus Mozart.



9.)  Die Mecklenburger Musikfeste und die deutsche Musik


Während aktuell (Artikel ist von 2011) im Lande der Reigen verschiedener Musikfestivals von Punkmusik (ForceAttack) über die Zappanale (dem Rock-Avantgard Künstler Frank Zappa gewidmet) bis hin zu den über

100 Konzerten umfassenden Musikfestspielen Mecklenburg/Vorpommern ein buntes Bild vermittelt, erscheint die Frage, wie es früher einmal war, erst recht interessant.

Um sich ein Bild vom Umfang der Mecklenburgischen Musikfeste (siehe Folge 8) machen zu können, sei erwähnt, dass sich bald eine Reihenfolge von  erstem, zweitem und Künstler-Konzert herauskristallisierte. 

Letzteres wurde inhaltlich zumeist durch die künstlerischen Intentionen der oft von weither angereisten und herausragend geltenden Interpreten bestimmt. So bot sich dort ein entsprechende Spanne von Liedern, Arien und Konzertstücken unterschiedlichster Komponisten.

Die späteren Musikfeste erweiterten ihren Umfang noch erheblich - das letzte ging von 25.5. - 1.6. 1922 und bot gleichfalls reichlich Möglichkeit zum Amüsement.

Dramenaufführungen standen neben Mai- undStrandfesten genauso auf dem Programm wie Militärkapellenaufmärsche und Fußballspiele.

Schaut man genauer hin, erscheinen diese Ergänzungen im Vergleich zum eigentlichen Anlass, nämlich der Aufführung von Musik, als zu gewichtig.

Vielleicht waren sie aber von den Veranstaltern für nötig erachtet worden, um das immense zeitliche Pensum der Konzerte auszubalancieren. Als Beispiel dafür möge das Programm des 3. Konzertes vom 29.05.1922 dienen:

Vorspiel zu der Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" von Richard Wagner,

die "Alpensinfonie" op. 64 von Richard Strauss,

mehrere Lieder verschiedener Komponisten und zum Abschluss gar noch 

das "Te dem" von Anton Bruckner.

Insgesamt ergo über 3 1/2 Stunden Musik!

Eine Zeitung sprach dann auch vom erschöpften Publikum, das sichtlich Ermüdung zeigte.

("… das Programm … war … zu lang geraten" Rostocker Anzeiger 1922)

Apropos Zeitungen: mögen die Rezensionen auch zu euphorisch geraten sein, so erschienen im Zusammenhang mit dem Musikfest ausführliche Berichte über die Konzerte und Bälle - sogar Werkeinführungen waren vorab gedruckt worden.

Überhaupt schien durch Art und Umfang der Veranstaltungen ein breites Bevölkerungsspektrum beteiligt gewesen zu sein, wenn auch

der Besuch der Konzerte wohl hauptsächlich den oberen Schichten und echten Interessenten vorbehalten war.

Zur Aufführung gelangten vorwiegend deutsche Komponisten, wobei Georg Friedrich Händel, Ludwig van Beethoven und Richard Wagner

ein exponierte Position zukam.

Auch in der Presse wurden gerne nationale Aspekte betont, besonders

in  "Tagen beispielloser deutscher Not" (1922) legte man Wert darauf, dass "die hinreißende Sprache deutscher Musik… neuer Ansporn zu deutscher Arbeit…" (Mecklenburger Zeitung Schwerin) werde. 

Glücklicherweise stehen heute wieder genügend andere Musikgrößen gleichberechtigt neben den alten deutschen Meistern. 

Womit wir wieder bei der Vielfalt der Live-Musik in Mecklenburg/Vorpommern unseres Eingangssatzes angelangt wären.

......Fortsetzung in Arbeit


 


 


Aufgabe von Traditionsstandorten

Erstaunlich viele schöne Villen in bester Lage opferte Rostock, um das Konservatorium unter Leitung von Hr. Sheridan-Braun im Haus der Musik unterzubringen. Noch gibt es dort zwei separate Musikschulen.







 

 

Hier war die Tanzabteilung des Kon's - bevor diese unter Hr. Sheridan-Braun abgeschafft wurde, der auch den Umzug vom Traditionsstandort Schillerplatz ins Haus der Musik betreute und mitverantwortet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Zwei zusammengehörige Häuser, in denen einstmals viele Schüler Musik lernten.
Das Musikatelier blickt inzwischen auf über 5 Jahre an einem Standort zurück und ist stolz, ab Frühjahr 2014 auch eine Zweigstelle in Stralsund zu haben. Wer freitags in der Hansestadt am Sund Zeit hat und Gitarre in all ihren Facetten lernen möchte - herzlich willkommen!